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Neubürger mit Maske – Waschbär bereichert das Tier-Freigelände Lusen

Neu im Tier-Freigelände Lusen: der Waschbär.Seine tastende Nahrungssuche im Wasser, das an unser Händewaschen erinnert, gab dem Waschbären seinen Namen.(Fotos: NPV Bayerischer Wald)

 

 

 

 

 

Seit kurzem hat das Tier-Freigelände im Nationalparkzentrum Lusen einen neuen Bewohner: In einem der beiden Fischottergehege, das extra zu diesem Zweck artgerecht umgestaltet wurde, lebt seit rund drei Wochen ein Waschbär. Das ca. vierjährige Männchen ist nicht nur im Tier-Freigelände Neubürger. Die ursprünglich in Nordamerika beheimateten Waschbären sind sogenannte Neozoen, die sich in den letzten 100 Jahren durch Auswilderung oder versehentlich aus Tierhaltungen entkommene Tiere in ganz Deutschtand und darüber hinaus im europäischen Raum verbreitet haben. Der Nationalpark präsentiert die Art, da sie auch in Bayern mittlerweile regelmäßig auftritt und als typischer Bewohner von gewässerreichen Waldgebieten regelmäßig durch Fotofallen im Nationalparkgebiet dokumentiert ist.

Der neu im Tier-Freigelände angesiedelte Waschbär stammt aus einem Tierheim und soll nun in seinem neuen zu Hause eine artgerechte Haltung genießen dürfen. Das Waschbärengehege erfüllt diesen Anspruch sehr gut: Als ausgezeichneter Kletterer kann der Waschbär die Baumgruppe in der Mitte des Geheges nutzen; für seine Badegewohnheiten steht ihm ein kleiner Stausee zur Verfügung. Zudem kann er an zwei kleinen Bachläufen selbstständig nach Krebsen und Insektenlarven suchen. Waschbären leben einzelgängerisch oder im Familienverband. Daneben kommen auch regelmäßig Gruppen mit bis zu vier erwachsenen männlichen Waschbären vor – eine Besonderheit in der Tierwelt. In Zukunft soll eine solche Männergruppe im Tier-Freigelände gezeigt werden und so wird der jetzt alleine gehaltene Waschbär entsprechend Gesellschaft bekommen; Nachwuchs ist jedoch dauerhaft nicht geplant.

Am besten zu beobachten ist der Waschbär gegen Abend, da er dämmerungs- und nachtaktiv ist. In kalten oder schneereichen Wintern halten Waschbären eine Winterruhe, während der sie ihre Aktivitäten stark reduzieren. Sie halten jedoch keinen echten Winterschlaf wie zum Beispiel Igel, und so dürfte der Neubürger im Tier-Freigelände bei milder Witterung auch während der Wintermonate für Besucher zu beobachten sein.

Die heutige Waschbärenpopulation Mitteleuropas geht im Wesentlichen auf zwei Freisetzungen in Deutschland zurück: Einer aktiven Ansiedlung 1934 am hessischen Edersee von lediglich zwei Paaren und ca. 20 nach einem Bombentreffer 1945 aus einer Waschbärenhaltung in Brandenburg entflohene Tiere. Mittlerweile kommt der Waschbär in ganz Deutschland flächendenkend und mit steigender Tendenz vor. In Bayern verdreifachte sich die Jagdstrecke in den letzten Jahren und beträgt zurzeit ca. 1000 Tiere pro Jahr. Waschbären sind damit – nicht zuletzt aufgrund ihrer großen Anpassungsfähigkeit – zu einem festen Faunenelement in Mitteleuropa geworden.

Bislang liegen keine wissenschaftlichen Belege vor, dass Waschbären einen negativen Einfluss auf die Bestandszahlen anderer heimischer Tierarten wie zum Beispiel andere kleine Beutegreifer oder bodenbrütende Vogelarten haben. Die Waschbärhaltung im Nationalpark soll dennoch auf den artenschutzfachlich wichtigen Aspekt der Besiedlung heimischer Lebensräume durch Neobioten – dieser Begriff umfasst auch Neubürger aus dem Pflanzen- und Pilzreich – aufmerksam machen, zu denen bei uns beispielsweise auch der Marderhund, die Regenbogenforelle oder das Drüsige Springkraut zählen. Denn auch wenn sich der Waschbär eher unauffällig in die heimische Tierwelt integriert hat, geht von sich stark ausbreitenden Arten stets eine potenzielle Gefahr aus, heimische Arten zu verdrängen.

Tierisch wilder Urlaub beim Nationalpark Partner

Weitere Informationen: http://www.nationalpark-bayerischer-wald.de/aktuelles/index.htm
http://www.nationalpark-bayerischer-wald.de/zu_gast/einrichtungen/index.htm

Süß und selten: Nachwuchs bei den Przewalski-Pferden im Nationalpark Bayerischer Wald

Das an Halloween geborene Hengstfohlen ist das jüngste Mitglied der Przewalski-Familie des Nationalparks Bayerischer Wald.

Das an Halloween geborene Hengstfohlen ist das jüngste Mitglied der Przewalski-Familie des Nationalparks Bayerischer Wald.

Gute Nachricht für den Artenschutz: Vor gut zwei Wochen, am 31. Oktober 2014, kam im Tier-Freigelände des Nationalparkzentrums Falkenstein erneut ein Przewalski-Fohlen zur Welt und ist wohl auf. Der kleine Hengst ist das zweite Fohlen, das dieses Jahr im Nationalpark Bayerischer Wald geboren wurde. Bereits Ende Mai vergrößerte ein Stutfohlen die jetzt 10-köpfige Herde im Tier-Freigelände. Die seltenen Wildpferde, von denen es weltweit nur rund 2000 Tiere gibt, werden seit 2005 im Nationalpark gehalten, der sich an einem internationalen Erhaltungszuchtprogramm beteiligt. Eine Nachzucht gelang hier seitdem insgesamt 15 Mal.

Seltener Moment im Familienleben: Die beiden in diesem Jahr geborenen Halbgeschwister hatten bislang wenig direkten Kontakt, da Muttertiere bei ganz jungen Fohlen meist auf Abstand zum Rest der Herde bedacht sind.

Seltener Moment im Familienleben: Die beiden in diesem Jahr geborenen Halbgeschwister hatten bislang wenig direkten Kontakt, da Muttertiere bei ganz jungen Fohlen meist auf Abstand zum Rest der Herde bedacht sind.

Besucher haben jederzeit Gelegenheit, die Przewalski-Herde am Falkenstein anzuschauen, da das Tier-Freigelände ganzjährig täglich geöffnet ist.

Besucher haben jederzeit Gelegenheit, die Przewalski-Herde am Falkenstein anzuschauen, da das Tier-Freigelände ganzjährig täglich geöffnet ist.

„Oktobergeburten sind für Przewalski-Pferde nicht grade typisch, kommen aber dennoch vor. In freier Wildbahn wäre der kommende Winter eine Überlebensherausforderung für Herbstfohlen, bei Gehegehaltung wie hier im Tier-Freigelände ist dies aufgrund der guten Ernährungssituation in der Regel kein Problem“, kommentiert Dr. Dennis Müller, Nationalparktierarzt und Leiter der beiden Tier-Freigelände, die Geburt des kleinen Hengstes. „Nach zwei Jahren Zuchtpause und nur einem Fohlen im letzten Jahr sind die beiden Jungtiere in diesem Jahr ein Zeichen, dass unser Leithengst, der jetzt im vierten Jahr unsere kleine Herde anführt, gut von den Stuten akzeptiert wird und sich als Zuchthengst etabliert hat“, so Müller. „Mit etwas Glück können wir bei der jetzigen Herdenstruktur mit bis zu vier Fohlen im Jahr zum Erhalt dieser ausgesprochen seltenen Art beitragen.“

Aktuell gibt es neben dem Leithengst und den beiden Jungtieren noch einen Junghengst vom letzten Jahr und sechs erwachsene Stuten in der in dieser Größe und Zusammensetzung durchaus typischen Przewalski-Familiengruppe. Alle Tiere gehören als Zuchtleihgaben entweder dem Münchener Tiergarten Hellabrunn oder dem Tiergarten Nürnberg, aus deren Zuchten die Gründungsmitglieder der Herde am Falkenstein stammen. Wo die beiden diesjährigen Fohlen untergebracht werden, entscheidet sich im Lauf des nächsten Jahres in Abstimmung mit anderen Przewalskihaltungen und dem zentral im Kölner Zoo geführten Europäischen Erhaltungszuchtprogramm, mit dessen Hilfe der genetischen Verarmung der weltweiten Przewalski-Zoopopulation entgegengesteuert wird.

Junghengste werden in der Regel in „Junggesellengruppen“ integriert, aus denen sich später Zuchthengste rekrutieren. Die junge Stute wird das Tierfreigelände vermutlich ebenfalls verlassen und in eine andere bestehende Herde eingegliedert. Eventuell werden aber auch beide Tiere für eines der Auswilderungsprojekte ausgewählt, die es derzeit in der Mongolei, in China und in Kasachstan gibt. „Bislang sind Fohlen von uns zurück nach München oder in den Tierpark von Grünau gegangen und wurden außerdem an Beweidungsprojekte bei Gießen oder in Tennenlohe bei Nürnberg abgegeben. Es gibt jedoch einen Bayerwald-Przewalski-Hengst, der seit seiner Auswilderung 2007 in freier Wildbahn in Kasachstan lebt“, so Dennis Müller.

Das Przewalski-Pferd ist die letzte überlebende Unterart des Wildpferdes, der Stammform unseres Hauspferdes. Benannt ist es nach dem russischen Offizier und Forschungsreisenden Nikolai Przewalski, der die bereits für ausgestorben gehaltenen Tiere Ende des 19.Jahrhunderts in der Mongolei wiederentdeckte. Schon damals sehr selten, wurden 1969 das letzte Mal wild lebende Przewalski-Pferde auf einer Expedition beobachtet. Kurz nach ihrer Wiederentdeckung, zwischen 1899 und 1903, gelangten insgesamt 54 Einzeltiere in den Besitz von Zoos und Privatliebhabern. Die meisten dieser Pferde starben jedoch, teilweise noch bevor sie die Geschlechtsreife erreicht hatten. Daher stammt die gesamte heutige Przewalski-Population von insgesamt 13 Tieren ab. Das systematisch durchgeführte internationale Zuchtprogramm zur Erhaltung der Przewalski-Pferde gibt es seit Mitte der 1950er Jahre, Auswilderungsprojekte seit Anfang der 1990er Jahre. Im Nationalpark Bayerischer Wald werden die Przewalski-Pferde unter anderem zusammen mit Urrindern gezeigt, um mit diesen in vorgeschichtlicher Zeit auch bei uns beheimateten Tieren eine Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart zu schlagen und so die Besucher dafür zu sensibilisieren, wie wandelbar Landschaft und Wildnis über Raum und Zeit sein können.

Weitere Informationen: http://www.nationalpark-bayerischer-wald.de/aktuelles/index.htm
http://www.nationalpark-bayerischer-wald.de/zu_gast/einrichtungen/index.htm
http://www.nationalpark-bayerischer-wald.de/wir_ueber_uns/index.htm

Und im nächsten Urlaub zu einem Nationalpark Partner

„Nationalpark und Schöpfung“ im Herbst

Andacht unter freiem Himmel auf dem Rachel – ein wunderbares, beeindruckendes Erlebnis. (Foto: Gabriela Neumann-Beiler)

Andacht unter freiem Himmel auf dem Rachel – ein wunderbares, beeindruckendes Erlebnis. (Foto: Gabriela Neumann-Beiler)

Noch dreimal in diesem Jahr – am kommenden Sonntag, den 28. September, Sonntag, den
12. Oktober und am Freitag, den 24. Oktober 2014 – lädt der Nationalpark in Zusammenarbeit mit den Kirchen in der Nationalparkregion zu Veranstaltungen aus der Reihe „Nationalpark und Schöpfung“ ein. Beeindruckende Naturerlebnisse, Fachinformationen von Seiten des begleitenden Nationalparkpersonals und spirituelle Impulse der begleitenden Theologen machen diese Ausflüge in den Nationalpark jeweils zu einem ganz besonderen Erlebnis. Alle Angebote sind kostenlos; um Anmeldung beim Nationalpark-Führungsservice unter 0700 00 77 66 55 wird jedoch gebeten.

„Die Himmelsleiter – Verbindung zwischen Himmel und Erde“ ist das Motto der drei- bis vierstündigen Wanderung am 28. September 2014 mit Pfarrer Rupert Wimmer des katholischen Pfarrverbandes Spiegelau, Diakonin Gabriela Neumann-Beiler der evangelischen Spiegelauer Martin-Luther-Kirche und Nationalpark-Ranger Günther Sellmayer über die Himmelsleiter zum Lusengipfel. Treffpunkt ist um 17.00 Uhr am P+R-Parkplatz in Spiegelau, von wo aus Fahrgemeinschaften gebildet werden können. Es ist auch möglich, direkt zum Parkplatz Lusen Waldhausreibe zu kommen, wo die eigentliche Wanderung um 17.30 Uhr startet.

Am 12. Oktober 2014 begleitet dasselbe eingespielte Team aus Pfarrer Wimmer, Diakonin Neumann-Beiler und Ranger Günter Sellmayer eine rund vierstündige, mittelschwere Wanderung zum Rachelgipfel. Das Thema der Führung lautet „Herbstlaub – Leben und Vergänglichkeit“. Auf dem Rachelgipfel wird eine Andacht gefeiert. Treffpunkt für diese Wanderung ist um 14.00 Uhr am P+R in Spiegelau. Für den Rücktransport werden Kleinbusse organisiert.

Den Abschluss der Führungsreihe im Sommerprogramm des Nationalparks bildet eine ökumenische Wanderung auf dem Seelensteig mit der evangelischen Pfarrerin Sonja Schuster, dem katholischen Dekan Kajetan Steinbeißer und einem Nationalpark-Ranger am 24. Oktober 2014. Die Führung steht unter dem Motto „Der Seele Raum geben“ und lädt die Teilnehmer mit besinnlichen Texten ein, das eigene Leben zu reflektieren. Treffpunkt für die rund zweistündige Veranstaltung ist um 13.30 Uhr am P+R Spiegelau.

 

Urlaub im Nationalpark

Doppelter Elchnachwuchs im Nationalpark Bayerischer Wald

(Foto: NPV Bayerischer Wald) Erst einen Tag alt: eines der beiden im Nationalpark Bayerischer Wald geborenen Elchkälber, hier zusammen mit seiner Mutter, der Elchkuh Lillemoor

(Foto: NPV Bayerischer Wald)
Erst einen Tag alt: eines der beiden im Nationalpark Bayerischer Wald geborenen Elchkälber, hier zusammen mit seiner Mutter, der Elchkuh Lillemoor

In kurzer Folge, in den Nächten vom 19. auf den 20. und dem 21. Auf den 22. Mai 2014, kamen im Tier-Freigelände Nationalparkzentrum Lusen des Nationalparks Bayerischer Wald erstmals zwei Elchkälber zur Welt. Zuchterfolge mit Elchen in Gefangenschaft sind nicht selbstverständlich, da Elche als komplizierte Nahrungsspezialisten generell schwer zu halten und daher oft nicht in ausreichend guter Verfassung sind, um sich fortzupflanzen. Die Eltern der beiden Jungtiere, der vierjährige Elchbulle Putte und die beiden ebenfalls vier Jahre alten Elchkühe Gunel und Lillemoor, stammen aus Schweden und leben seit knapp zweieinhalb Jahren im Tier-Freigelände des Nationalparks. Das Geschlecht der beiden Elchkälber ist noch unbekannt.

„Wir freuen uns riesig über den Nachwuchs bei unseren Elchen“, kommentierte Nationalparkleiter Dr. Franz Leibl den jüngsten Zuchterfolg im Tier-Freigelände Lusen. „Dass gleich beide Elchkühe Nachwuchs bekommen haben, ist ein Zeichen, dass wir mit unserer Elchhaltung auf einem guten Weg sind. Außerdem freuen wir uns für unsere Besucher, für die Jungtiere seltener Wildtierarten immer eine besondere Attraktion sind“, so Leibl weiter.

Mit etwas Glück können Besucher die beiden Elchkälber ab sofort im Gehege beobachten, da sie bereits unmittelbar nach der Geburt aufstehen und ihren Müttern folgen. „Manchmal legen die Mütter ihre Jungtiere auch versteckt in der Vegetation ab; dann sind sie etwas schwerer zu finden“, so Dr. Dennis Müller, Tierarzt und Leiter der Tier-Freigelände des Nationalparks. „Aber unsere Elchkuh Lillemoor, die erst vorgestern Nacht Mutter wurde, scheint da offensichtlich ganz entspannt zu sein: Im Moment hat sie ihr Kalb keine 10 Meter vom Zaun abgelegt und lässt sich auch nicht von den Besuchern stören, die ihren Nachwuchs bewundern.“

Das Gehege betreten derzeit jedoch weder Tierarzt noch Tierpfleger, um die beiden Muttertiere und ihre Neugeborenen nicht zu stören. „Elchmütter können sehr aggressiv werden. Mit einer Untersuchung und der Geschlechtsbestimmung der beiden Jungtiere müssen wir uns also noch ein wenig gedulden“, so Müller. Die Kälber bleiben in der Regel bis zur Geburt der Geschwister im nächsten Jahr bei ihrer Mutter. „Wenn es bei unseren Kälbern soweit ist, werden wir sie in andere passende Elchhaltungen vermitteln; wir sind zuversichtlich, dass das klappt“, bekräftigt Müller.

Im Gegensatz Hirschen werden Elche selten in Tiergärten und Wildgehegen gezeigt. Ein wichtiger Grund hierfür ist vor allem die schwierige artgerechte Fütterung. Als sogenannte Laubäser ernähren sich Elche hauptsächlich von Zweigen, Blättern, Nadeln, Knospen und Rinde. Im Sommer können Wasserpflanzen einen wesentlichen Anteil der Nahrung ausmachen. Aufgrund seiner gewaltigen Körpergröße – erwachsene europäische Elche wiegen zwischen 300 und 400 Kilo – braucht ein Elch enorme Mengen dieser Nahrung; im Sommer können das bis zu 50 Kilo am Tag werden. Heu oder andere Ersatzfutterstoffe, wie sie an andere pflanzenfresse Gehegetiere verfüttert werden können, kommen für den Elch nicht in Frage, da eine solche Fehlernährung oft zu Darmerkrankungen und Unterernährung bis zum Verhungern führt.

„Solche Mengen Elch-taugliches Futter zur Verfügung zu stellen, ist eine echte Herausforderung, besonders im Winter, wo pro Elch mindestens 10 Kilo am Tag gebraucht werden. Obwohl unser Gehege mit 3,5 Hektar großzügig bemessen ist und die Elche auch dort schon einiges an geeignetem Futter finden, reicht das natürlich bei weitem nicht aus“, erläutert Tierarzt Müller. Gelöst wird das Problem im Tier-Freigelände, indem alles an geeignetem Schnittholz, wie es beispielsweise beim Wegeunterhalt im Nationalpark anfällt, als Elchfutter gesammelt wird. Auch benachbarte Waldbesitzer steuern geeignetes Material bei, so dass bei einem so großen Gebiet genügend Nahrung für die drei Gehege-Elche zusammen kommt. „Mit dieser Vorgehensweise haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht. Unsere Elche stehen gut im Futter und sind auch sonst gut in Form, was sich daran zeigt, dass sie bislang noch nicht ernsthaft erkrankt sind. Für unsere beiden Elchkälber bedeutet dies, dass wir von einer angemessenen Milchversorgung ausgehen können, Grundvoraussetzung für eine gesunde und robuste Entwicklung“, erklärt Müller.

Ob es im Nationalpark Bayerischer Wald in absehbarer Zeit auch Elchgeburten in freier Wildbahn geben wird, bleibt abzuwarten. Durchziehende Elche werden in der Region seit Jahren regelmäßig gemeldet, zuletzt vor rund einem Monat bei Finsterau im Landkreis Freyung-Grafenau. „Als typischer Bewohner großer, ungestörter Waldgebiete mit kaltgemäßigtem, schneereichem Klima würden Elche schon sehr gut in den Bayerischen Wald und in den Nationalpark passen“, sagt Dennis Müller, der sich in seiner Doktorarbeit auch mit der Ökologie der imposanten Geweihträger befasst hat. Nur 50 Kilometer entfernt, am Moldaustausee, gibt es eine stabile Population, die sich auch fortpflanzt. „Für einen Elch ist das keine Entfernung und Jungelche sind immer auf der Suche nach neuen Revieren“, meint Müller. Der Nationalpark sei insofern auch sehr gut geeignet, als die Windwurf- und Borkenkäferflächen im Nationalpark mit wichtigen Futterpflanzen wie Weide, Birke und Brombeere ideale Einstände für Elche darstellten. Darüber hinaus schaffe der Biber durch das Aufstauen von Fließgewässern derzeit weitere besonders für Elche geeignete Lebensräume, so Müller weiter. „Wenn der Elch kommt um zu bleiben, wäre er sicher eine spannende Bereicherung für den Nationalpark – und wir im Tier-Freigelände könnten ihn dann als heimische und nicht – wie bisher – als in unserer Region ausgestorbene Tierart präsentieren“, so Müller abschließend.

Wanderelche aus Polen und der Tschechischen Republik zeigen sich in den letzten Jahren vermehrt in Sachsen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Bayern, so dass Deutschland vom World Wildlife Fund WWF im vergangenen Jahr offiziell zum „Elch-Einwanderungsland“ erklärt wurde. In Brandenburg und Sachsen haben sich bereits kleine sesshafte Populationen etabliert. Elche unterliegen dem Bundesjagdgesetz und sind ganzjährig geschont.

Weitere Informationen: http://www.nationalpark-bayerischer-wald.de/aktuelles/index.htm
http://www.nationalpark-bayerischer-wald.de/zu_gast/einrichtungen/index.htm

Tierisch wilder Urlaub beim Nationalpark Partner

Raus in den Frühling

Neue Führungen im Rahmen von „Nationalpark aus erster Hand“

Wer singt denn da so schön? Sachkundige Einführung in das Frühlings-Vogelkonzert ermöglicht die Nationalparkführung „Vogelwelt im Frühlingswald“ (Foto: NPV Bayerischer Wald)

Die Reihe „Nationalpark aus erster Hand“ lädt mit neuen Themen dazu ein, gemeinsam mit Nationalpark-Fachleuten den erwachenden Frühlingswald zu entdecken. Am kommenden Samstag, den 5. April 2014, geht es bei einer Wanderung entlang des Sagwassers um die Vorstellung des von der EU geförderten LIFE+ Projektes zur Durchführung umfangreicher Naturschutzmaßnahmen im Nationalpark. An den beiden folgenden Samstagen, dem 12. und dem 19. April 2014, geht es früh morgens in den Wald, um die singende Vogelwelt kennen und erkennen zu lernen.

Das LIFE+ Förderprogramm der Europäischen Kommission unterstützt ausgewiesene Natura 2000-Gebiete, zu denen auch der Nationalpark Bayerischer Wald gehört. Dem Nationalpark Bayerischer Wald ist es in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Naturschutzfonds gelungen, finanzielle Fördermittel aus diesem Programm für das groß angelegte LIFE+-Naturschutzprojekt „Moore, Fließgewässer und Schachten im Nationalpark Bayerischer Wald“ einzuwerben. Am Samstag, den 5. April 2014 wird Nationalpark-Projektbetreuer Jan Vančura auf einer 5-6-stündigen Führung „Vom Sagwasser zum Tummelplatz“ Einblicke in die geplanten Maßnahmen im Nationalpark geben und Hintergründe zum LIFE+-Projekt erläutern. Treffpunkt für diese Führung ist um 10.00 Uhr am Parkplatz Sagwasser. Bitte vergessen Sie nicht, eine kleine Brotzeit und wetterfeste Kleidung mitzubringen.

Am 12. und 19. April 2014 geht es um die „Vogelwelt im Frühlingswald“. In der Morgendämmerung beginnt im Wald täglich aufs Neue ein einmaliges Konzert: Die Vogelwelt erwacht und gleicht einem Orchester, das schließlich den ganzen Wald erfüllt. Ranger Robert Stockinger lädt Interessierte dazu ein, ihn an den beiden Samstagen auf einer rund drei Stunden dauernden Morgenwanderung zu begleiten, um die Stimmen der verschiedenen Sänger unterscheiden zu lernen und bei ihrem morgendlichen Gesang zu beobachten. Treffpunkt dazu ist bereits um 7.00 Uhr an der Kapelle in Waldhäuser. Bitte bringen Sie ein Fernglas mit. Bei starkem Wind und starkem Regen fällt die Führung aus.

Für alle drei Samstagstermine ist eine Anmeldung bis Freitagmittag beim Nationalpark-Führungsservice unter 0700 00 77 66 55 erforderlich.

Die Führungsreihe „Nationalpark aus erster Hand“ heißt speziell Bürgerinnen und Bürger der Nationalparklandkreise willkommen, aber auch Urlauber sind selbstverständlich herzlich eingeladen. Auch an den folgenden Samstagen können Sie in der Reihe „Nationalpark aus erster Hand“ spannende Themen vor Ort kennenlernen. Das komplette Programm finden Sie in den an den Tourist-Informationen ausliegenden Nationalpark-Winterprogrammen oder auf der Nationalpark-Website unter „Akktuelles“

Weitere Informationen: http://www.nationalpark-bayerischer-wald.de/aktuelles/index.htm

„Nationalpark für Alle“

Nationalpark erarbeitet Führungsangebote für Menschen mit Behinderungen

Die Schüler der Christophorusschule erkunden den Nationalpark und helfen bei der Ausarbeitung des Führungsprogramms „Nationalpark für Alle“

Die Schüler der Christophorusschule erkunden den Nationalpark und helfen bei der Ausarbeitung des Führungsprogramms „Nationalpark für Alle“

Einzigartigkeit und ständige Veränderung sind das Wesen der Natur – insbesondere in Nationalparken, wo das Motto „Natur Natur sein lassen“ oberstes Gebot ist.

Die Naturschätze des Nationalparks zu erleben, soll dennoch einem breiten Publikum möglich sein – auch Menschen mit Behinderungen. Aufgrund der demographischen Entwicklung nimmt vor allem die Anzahl gehbehinderter Menschen und der Rollstuhlfahrer zu. Die Nationalparkverwaltung nimmt sich in vielen Bereichen dieses Themas an, so dieses Jahr verstärkt bei der Erarbeitung des Sommerführungsprogramms. Mit der Christophorusschule Schweinhütt und den Lehrkräften Peter Kallmünzer, Thomas Ruder und Thomas Reiß fand die Nationalparkverwaltung einen äußerst kompetenten wie hilfsbereiten Partner.

Nachdem verschiedene Führungen ausgearbeitet waren, ging es als erstes darum, ob diese Routen auch rollstuhltauglich sind bzw. die Infrastruktur auch auf Menschen mit Behinderungen abgestimmt ist. Auf einer gemeinsamen Besichtungstour entschied man sich schließlich für den Rundweg „Ameise“, ein Führungsangebot um Zwieslerwaldhaus und für das Tierfreigelände des Nationalparkzentrums Lusen bei Neuschönau.

Mit besonderer Spannung erwartete man dann den Praxistest, als die Christophorusschule mit insgesmat 6 Klassen anrückte. 12 Waldführer und 2 Nationalparkranger hatten sich intensiv auf die Führungen mit geh- und geistig behinderten Schülern vorbereitet. Nachdem die anfänglichen Berührungsängste überwunden waren, merkte man den Schülern und Waldführern an, dass ihnen die Erkundung des wilden Waldes und dessen Tierwelt immer mehr Spaß machte. Das Erfahren der Natur mit allen Sinnen (riechen, tasten, fühlen) stand dabei im Mittelpunkt. So waren die zwei erlebnisreichen Stunden auch flugs vorbei und die meisten Schüler wären gerne noch länger geblieben.

Genau so intensiv wie man die Führungen vorbereitet hatte, so nahm man sich auch für die Nachbereitung nochmals genügend Zeit. Ausführlich wurden zwischen Nationalparkmitarbeiten, Waldführern und den Lehrkräften die gesammelten Eindrücke und Erfahrungen besprochen und wertvolle Tipps und Hilfestellungen ausgetauscht. Einig war man sich auf jeden Fall in der Bewertung: die gemeinsame Ausarbeitung des Führungsangebotes „Nationalpark für alle“ hat nicht nur den Waldführern und Rangern fachlich eine Menge gebracht, sondern auch den Schülern der Christophorusschule viel Spaß gemacht. Die Zusammenarbeit will man im nächsten Jahr weiter ausbauen.

Weitere Informationen speziell zu den Führungen  „Nationalpark für Alle“ können Sie dem Sommerführungsprogramm der Nationalparkverwaltung entnehmen oder unter Tel.: 09922 5002-0 bzw. npfueralle@npv-bw.bayern.de erfragen.

Barrierefreie Führungsangebote – Auf Anfrage werden Führungen für Gruppen auf Ihre Bedürfnisse zugeschnitten – Natur kann über unterschiedliche Sinne erlebbar gemacht werden.

Barrierefreie Ausflugsziele – Auch Individualbesucher mit Behinderungen beraten wir gerne, wo Naturerleben im Nationalpark für sie möglich ist.

Barrierefreie Mobilität vor Ort – Die wichtigsten Ausgangspunkte im Nationalpark sind durch ein ÖPNV-System aus Waldbahn und Igelbussen erschlossen.

Kontakt: Nationalpark für alle – Tel. 09922 50020, E-mail npfueralle@npv-bw.bayern.de

Weitere Informationen: http://www.nationalpark-bayerischer-wald.de/zu_gast/barrierefrei/index.htm

Urlaub im Nationalpark Bayerischer Wald

„Überlebensstrategien in der kalten Jahreszeit – wie Tiere und Pflanzen über den Winter kommen“

Schnee und Frost hatten das Land fest im Griff – besonders in diesem Winter wieder. Doch was der Mensch, grippeschutzgeimpft und in dicke Kleidung gepackt, als Wintersportvergnügen wahrnimmt, ist für Tiere und Pflanzen – jedes Jahr von neuem – eine elementare Katastrophe, die nur die im darwinschen Sinne „Bestangepassten“ überleben. Die Natur hat ihre Kinder aber mit einer Reihe erstaunlicher Strategien im Kampf gegen Schnee, Frost und Hunger ausgestattet. Das Repertoire reicht von „Wegfliegen“, „Blätter verlieren“ und „Fettpolster anlegen“ über „Zellsaft eindicken“, „in Tiefschlaf verfallen“ bis hin zu „Blutalkoholspiegel anheben“.

Auf einer ca. 3-stündigen Sonderführung: Mit dem Förster durch den Nationalpark  im Bereich des Hochbergs bei Bayerisch Eisenstein wird der Nationalpark-Förster Karl-Heinz Englmaier dieses Thema an Hand von Beispielen erläutern. Die Route verläuft z.T. auf nicht geräumten, noch nicht schneefreien Wegen. Festes Schuhwerk ist daher unbedingt erforderlich.

Treffpunkt für diese kostenlose Wanderung ist am Samstag, dem 30. März 2013 um 13:30 Uhr im Wanderpark Bayerisch Eisenstein.

Eine Anmeldung bis Freitagmittag unter der Telefonnummer 0700 00 77 66 55 ist unbedingt erforderlich.

Rainer Pöhlmann

Weitere Informationen: http://www.nationalpark-bayerischer-wald.de/zu_gast/wandern_und_erleben/index.htm

Unterkunft beim Nationalpark Partner