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Das Unerwartete erwarten: Störungen und Waldökosystemmanagement im Klimawandel

Borkenkäfernest mitten im dichten Waldbestand – schädlicher Störenfried, der durch Klimawandel noch gefördert wird, oder Chance für ein Waldmanagement mit hoher Artenvielfalt? Diese und viele weiteren Fragen sind Thema des Vortrags „Das Unerwartete erwarten“. (Foto: Prof. Dr. Rupert Seidl)

Borkenkäfernest mitten im dichten Waldbestand – schädlicher Störenfried, der durch Klimawandel noch gefördert wird, oder Chance für ein Waldmanagement mit hoher Artenvielfalt? Diese und viele weiteren Fragen sind Thema des Vortrags „Das Unerwartete erwarten“. (Foto: Prof. Dr. Rupert Seidl)

Vortrag von Prof. Dr. Rupert Seidl, Institut für Waldbau, Universität für Bodenkultur (BOKU) Wien, am Donnerstag, den 6. November 2014 um 19.00 Uhr im Waldgeschichtlichen Museum St. Oswald. Der Eintritt ist frei.

Beobachtungen in ganz Europa zeigen, dass Waldschäden durch natürliche Störungen wie Wind, Feuer und Borkenkäfer in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen haben. Darüber hinaus lassen Szenarien für die kommenden Jahrzehnte ein durch den Klimawandel bedingtes weiteres Ansteigen von Waldschäden erwarten: Simulationsergebnisse prognostizieren auf europäischer Ebene fast eine Million Kubikmeter Schadholz zusätzlich pro Jahr.

Derartige Entwicklungen haben stark negative Auswirkungen auf Ökosystemleistungen wie die Klimaschutzfunktion des Waldes durch Kohlenstoffspeicherung und können so den Klimawandel weiter verstärken. Sie bieten aber auch Chancen für eine Rückführung der Wälder hin zu mehr Naturnähe und biologischer Vielfalt. Für das Management von Waldökosystemen – sowohl in Schutzgebieten als auch im Wirtschaftswald – bedeuten diese Änderungen des Klima- und Störungsregimes generell steigende Unsicherheiten.

Wie kann bei dieser zunehmenden Unsicherheit eine nachhaltige Bereitstellung von gesellschaftlich nachgefragten Waldfunktionen sichergestellt und gleichzeitig die Integrität von Ökosystemen gewahrt werden? Ist der Nationalpark Bayerischer Wald bezüglich der Borkenkäferentwicklung der letzten Jahrzehnte ein extremer Ausreißer oder eine Modellregion für die aktuell stattfindenden und zukünftig erwarteten Änderungen in Europas Wäldern? Der Vortrag beleuchtet diese und weitere Fragen und präsentiert sowohl Szenarien zu möglichen zukünftigen Entwicklungen als auch Konzepte, um steigenden Unsicherheiten im Ökosystemmanagement zu begegnen.

Prof. Dr. Rupert Seidl forscht und lehrt seit 2012 am Institut für Waldbau der BOKU Wien, seit 2013 als Professor. Vor seiner Tätigkeit dort sammelte er umfangreiche internationale Forschungserfahrung, unter anderem an der Sveriges Lantbruksuniversitet in Schweden, der Oregon State University in den USA und am European Forest Institute in Finnland. Seine Forschungsinteressen umfassen Aspekte der Waldökosystemdynamik im generellen und die Rolle von Klima und Störungen in Waldökosystemen im speziellen. Ziel seiner Arbeit ist es, Erkenntnisse über Zusammenhänge der Waldökosystemdynamik – v.a. in Form von Simulationsmodellen – für Fragestellungen der nachhaltigen Waldbewirtschaftung nutzbar zu machen.

 

Gastgeber im Nationalpark Bayerischer Wald